Heinrich Kämpchen

Heinrich Kämpchen um 1880

Geboren am 23.05.1847 in Altendorf/ Ruhr, ehem. Haus heutige Burgstraße 35, kath. Bergarbeiterfamilie, Vater vermutlich auf der Zeche Altendorf, Schacht Rochusen (alter Schacht in der Burgstraße) beschäftigt. Später auf einer Zeche in Höntrop, Steiger, Obersteiger?

 

Im Alter von 6 Jahren zieht die Familie nach Bochum-Linden.

Heinrich Kämpchen besucht die Volksschule in Höntrop, andere Quellen berichten auch von Privatunterricht.

 

Nach dem Ende der Schulzeit wird er Bergmann auf einer unbekannten Zeche.

Belegt ist seine Zeit auf der Zeche Hasenwinkel in Dahlhausen von 1865 bis Ende 1889, oder Anfang 1890.

Von 1872 bis 1874 absolvierte Heinrich Kämpchen erfolgreich die Bergvorschule in Dahlhausen. Er verzichtet jedoch auf die Ausbildung zum Steiger (wahrscheinlich aus finanziellen Gründen).

 

Er wird angeblich wegen eines Arbeitsunfalls entlassen. Der wahre Grund war wohl seine Teilnahme am großen Bergarbeiterstreik 1889. Die Beschäftigten der Zeche Hasenwinkel hatten ihn zum Deligierten ins Streikkomittee gewählt. In seinen Entlassungspapieren wird ihm eine Betriebszugehörigkeit von 24 Jahren bescheinigt.

Er lebt fortan von einer kleinen Invalidenrente.

Durch die Veröffentlichung seiner Gedichte in der Bergarbeiterzeitung, dem Organ des sog. Alten Verbandes verdient er etwas hinzu.

Die Eltern waren früh verstorben. Heinriche Kämpchen lebte 30 Jahre als "Kostgänger" bei einer Familie in der Dr. C. Otto-Straße. Eine Tochter der Familie, Hedwig Spiekermann, war 1912, als Heinrich Kämpchen verstarb, 22 Jahre alt. In einem Gespräch am 25.01.1979, mit 89 Jahren, hat sie viel über Heinriche Kämpchen erzählt. Das Interview ist auch in dem Buch "Seid einig, Seid einig, dann sind wir auch frei", abgedruckt.

 

Am 06..03.1912 ist Heinrich Kämpchen im Alter von fast 65 Jahren verstorben. An seiner Beerdigung auf dem kathoischen Friedhof in Linden sollen nach Zeitungsberichten rund 4.000 Menschen teilgenommen haben.

Heinrich Kämpchen war in Bochum bekannter als in Altendorf und sein Leben und Wirken wurden dort viel stärker gewürdigt als hier bei uns.

 

Bedeutung Heinrich Kämpchens

 

Warum erinnern wir uns an Heinrich Kämpchen, warum haben mehrere Städte im Ruhrgebiet Straßen nach ihm benannt, in Dahlhausen ist sogar eine Schule nach ihm benannt?

 

Bergarbeiter, Streikführer, Sozialdemokrat und - vor allem Dichter

 

Vom Mittelalter bis Mitt des 19. Jahrhunderts war der Bergbau in staatlicher Hand, der Bergmann ein priviligierter Beruf mit guten Arbeitsbedingungen.

1865 trat das "Allgemeine Preußische Berggesetz" in Kraft, das die sog. "Bergfreiheit" brachte. Man würde heute sagen, der Bergbau wurde privatisiert. Es kam das geflügelte Wort in Umlauf, nicht an der Kohle wird Geld verdient, sondern mit der Kohle wird Geld verdient. Durch die neue Lage gab es deutliche Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen: Abschaffung des 8-Stunden Tages, weniger Lohn, kein Unfallschutz etc.

Heinrich Kämpchen prangerte das in seinen Gedichten an.

Gewerkschaften gab es vor 1889, dem ersten großen Bergarbeiterstreik, nicht. Danach bildete sich im August 1889 der sog. "Alte Verband", dem Vorläufer der IG Bergbau.

 

Heinrich Kämpchen predigte deshalb seinen Bergleuten, dass sie sich einig sein müssten, um diese Zustände zu überwinden, sein Motto war

 

"seid einig, seid einig - dann sind wir auch frei"

 

Einig auch im gewerkschaflichen Zusammenschluss.

Es gründeten sich später noch die christlichen Gewerkschaften, der Hirsch-Dunckersche Verband und es gab noch eine polnische Vereinigung.

 

Es wurde nach der Melodie "Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd..." gesungen. Das wurde zur Hymne der Bergarbeiter, wurde wegen seines aufrührerischen Textes von der Obrigkeit verboten.

 

Dies, und die Tatsache, dass er der Sozialdemokratie "huldigte", brachte ihn auf die sog. schwarze Liste des Bergbaus und er wurde von der Polizei überwacht.

 

Spätere Entwicklungen haben ihm Recht gegeben.

 

Heinrich Kämpchen war auch Heimatdichter. Er liebte Altendorf und das Ruhrtal.

 

Text: Hans Tenhaven