Die erste Kohlenzeche an der Ruhr

Längst bevor es Kohlenzechen gab, lagen auf den Ruhrfeldern und an den Wegen schwarze Steine umher, die niemand sonderlich beachtete. Einem Hirtenknaben war es vorbehalten, ihre Wunderkräfte zu erkenn und den Menschen kundzutun. Er hütete im Tal die Schweine und sah zu, wie die Tiere die Erde aufwarfen und dabei die schwarzen Steine mit zutage brachten. Da es herbst war und ihn fror, legte er in einer kleinen Grube, die von den Schweinen ausgehoben war, ein Feuer an und deckte es mit Laub und Reisig zu. Als er es dann verlöschen lassen wollte, bemerkte er, daß der Boden sich noch in voller Glut befand. er dachte, es müsse von dem Holz herkommen, das im Verglimmen sei, und kehrt heim.
Folgenden Tages treib er seine Herde an den gleichen Ort. Wie erstaunte er, als er von ferne schon einen Teil des Berges in roter Glut antraf. Er erkannte bald, daß es die schwarzen Steine waren, die sich an seinem Feuer entzündet hatten und nun den stillen Brand langsam weitertrugen. In fliegender Hast rannte er ins Dorf zurück kund brachte dorthin die Kunde von dem Glühenden Berg. Alle Einwohner folgen ihm hinaus, selbst die Greise und die Kranken zogen mit. Ein jeder wollte den Kohlenstein erprüfen, und weil er sich wunderbar bewährte, wurde er bald im ganzen Tale begehrt. eine besondere Grube mußte angelegt werden, um genug von den Steinen an den Tag zu fördern.
Es war die erste Zeche an der Ruhr, und weil sie an der Stelle errichtet wurde, wo die Schweine ehedem die Kohlensteine auswühlten und der Knabe seine Herde mit dem Rufe „Mutt, Mutt“ anzulocken pflegte, wurde die Zeche „Op der Mutte“ genannt.
Dieser einen Zeche folgten bald die anderen. Es war, als hätte die Kohle mit einemmal eine neue Welt erweckt. Das geruhsame Tal widerhallte bald vom Geräusch der Räder und Maschinen, die von der Kohle Kraft und Antrieb empfingen. Weil dadurch für die Menschen Arbeit und Brot geschaffen wurde, reihten sich die Häuser immer dichter aneinander, und es entstand das große weltbekannte Industriegebiet, das nicht nur für seine eigenen Werke die Kohlen aus dem Schoße des Ruhrlandes empfängt, sondern durch Schiffe und Eisenbahn einen großen Teil der weiten Welt damit bedenkt.