Bauernhöfe und Kotten

Frühe Erwähnungen Burgaltendorfer Höfe

Bungert: Bestand schon im 13. Jh., als einer der Söhne der Herren von Altendorf in den Hof einheiratete

Dieckmann: Es gilt dasselbe wie für Bungert

Vogteirolle des Grafen von Isenberg von ca. 1220

Hier hat der Graf Friedrich von Isenberg alle Güter aufgezählt über die er die Vogteirechte für die Essener Fürst-Äbtissin und den Abt von Werden ausübte. Dies war ein einträglicher Job, und er wurde ihm (und vielen in gleicher Position) vom Kölner Erzbischof streitig gemacht. Dieser Streit endete im Mord am Kölner Erzbischof 1225. Zuvor hatte Graf Friedrich in der genannten Rolle alle Höfe aufgelistet, die ihm abgabepflichtig waren.
Er schreibt für unseren Bereich leider nur, dass es in Altendorf drei und in der Holtey ein Hof waren. Namen nennt er nicht.

Kettenbuch der Essener Fürst-Äbtissin, angelegt ab 1330

Namen tauchen dann aber im obigen Kettenbuch auf. Die Fürst-Äbtissin ließ es anlegen, um einen Überblick über die abgabepflichtigen Höfe zu haben. Da sie dies für sehr wichtig hielt, wurde das Buch angekettet.
Wir finden hier die gleiche Zahl von Höfen wie in der Vogteiliste. Es werden genannt:
In Altendorf "Bungert", "Kellermann" und "Biermann" sowie
"Gerhardi in der Holtey".
Es ist nicht klar, warum Höfe wie Mintrop, Schlüter oder die anderen in der folgenden Urkunde von 1486 nicht genannt sind, obwohl sie ebenfalls schon bestanden haben dürften.

Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486

Es sind aufgeführt: Quade (6), Mintrop (5), Schulte Holtey (4), Vogelsang (4), Schlüter (4), Bungert (3), Dieckmann (3), Nop (3), Elvenhoell (2), Wünnenberg (2), Brinkmann (2), Biermann (2).
Die Zahlen geben die zu entrichtenden Steuern (damals Gulden) an.
Es sind noch Oversohl und Gadertz aufgeführt, die weniger als einen Gulden zu zahlen haben. Der Hof Gadertz wird in diesem Jahr schon als geräumt bezeichnet; über seine Lage ist nichts bekannt.

Güterverzeichnis des Hauses Altendorf von 1605

Es waren danach den Herren des Hauses Altendorf abgabepflichtig: Schulte Holtey, Mintrop, Schlüter, Brinkmann, Dickmann, Tacke, Collenberg, Oversohl, Worring, Elvenholl, Steinhorst, Biermann, Brandenberg.
Dazu kamen noch Kötter sowie Bauern und Kötter aus den Nachbarorten.
Mintrop z. B. hatte jährlich zu liefern: ½ Malter Weizen, je 9 Malter Roggen und Gerste, 10 Malter Hafer, 3 Schweine, 13 Hühner, 10 Pfd. Flachs, 1 Lamm, je 1 Pfd. Pfeffer und Ingwer sowie 6 Taler.

Es sind im Laufe der Jahrhunderte, gemessen an den Steuer- und Abgabepflichten, aus Höfen Kotten und umgekehrt geworden. Der Vaester-Hof ist vermutlich erst im 18. Jahrhundert, der Hof zur Mühlen erst am Ende des 18. Jahrhunderts entstanden.

Hof - Kotten

 

Zu dem Unterschied zwischen „Hof“ und „Kotten“:
Ein Hof verfügte über so viel Land und Vieh, dass er davon leben konnte. Dazu stand dem Hofbesitzer neben der Familie noch „Gesinde“ (Mägde und Knechte) als Arbeitskräfte zur Verfügung.
Ein Kotten hatte dagegen nicht  so viel Land und Vieh, um davon leben zu können. Er musste anderswo dazu verdienen. Das konnte als Knecht auf einem Hof sein, ab dem 18. Jahrhundert war es aber meist der Bergbau.

 

Die Burgaltendorfer Bauernhöfe: Hier standen bzw. stehen sie:

1. Mintrop (abgebrannt 1967)

2. Schlüter (heute Getränkehandel)
3. Kellermann (abgerissen 1970)

4. Biermann (1970 abgerissen)
5. Bungert (1969 abgerissen)

6. Höhmann (heute Mietshaus)
7. Wintermann (heute Mietshaus)

8. mittl. Barenberg (heute Wohnhaus)
9. Vaester (1971 abgerissen)

10. Dieckmann (heute Wohnhaus)
11. zur Mühlen (heute Wohnhaus)

12. Noppen- & Quadengut (wüstgefallen)
13. Eickhoff (Wohnhaus, Pferde)

14. Elvenholl (1902 abgebrannt)
15. Matena (1966 abgerissen)

16. Könning (1953 abgebrannt)
17. Kollenberg (heute Wohnhaus)

18. Seyer (heute Wohnhaus)
19. Anschott (heute Wohnhaus)

20. Lelgemann (Rinderhaltung)
21. Worring (1966 abgerissen)

22. Schulte-Holtey (1972 abgerissen)
23. Oberholtey (Camann, abgerissen)

24. Schulte-Oversohl (Gemüseanbau)

Höfe und Kotten

Klöfers, Burgstraße 56: Über Jahrhunderte der Schlütershof und einer der größten im Dorf. Schon im 18. Jh. ist Bierbrauen im Hause nachgewiesen, heute noch Getränkehandel.
Die Ländereien gingen Mitte des 19. Jh. an eine Tochter im Schwarzensteinweg, die einen Bungert geheiratet hatte. Das Hofgebäude mit dem Hofgelände blieben bei Schlüter, bis eine Tochter einen Bockelkamp heiratete und wieder einen Getränkehandel hier einführte. Ihre Tochter Marlies heiratete Willi Klöfers. Ihr Sohn Wilfried betreibt heute den Getränkehandel.

Anschott, Kirchstraße 52: Hat sich im Laufe des 19. Jh. aus einem Kotten zu einem Vollerwerbshof entwickelt. Heut bestellen Verwandte aus Überruhr einen Teil der Felder.

Bungert:  stand etwa in Höhe des Hauses Burgstr. 24. Zählt zu den am frühesten erwähnten Höfen (13. Jh.). Machte Ende der 60er Jahre Neubauten Platz.

Mittelste Barenberg, Burgstraße 100: ursprünglich ein Kotten am Zechenplatz der Zeche Altendorf Tiefbau. Nach deren Ausbreitung Neubau an der Burgstraße. 1937 wurden Land- und Viehwirtschaft eingestellt.

Ein Leibzucht- oder Gesindehaus des Hofes Lelgemann (Kirchstraße 64). Die Leibzucht diente der Versorgung der ausgeschiedenen alten Bauersleute, wenn die neue Genertion angetreten war und im Bauernhaus nicht ausreichend Platz war.

Oberste Steinhorst, Kirchstraße 8: Einstmals Kotten, heute Wohnung des Zahnarztes Hackmann.

Schulte-Holtey, bis 1956 an der Holteyer Straße. Gehörte zu den größten Höfen des Dorfes. Entstand um 1340 nach dem Wegzug der adligen Herren von Holtey, die hier auf einer Wasserburg saßen.

Lelgemann, Kirchstraße 64: vormals zu Anschott gehörig, 1848 von Lelgemann ersteigert und ausgebaut.

Vaester, Im Vaeste, 1971 abgerissen: Entstand erst nach 1700, als man die Felder verschwundener Höfe wieder "an den Mann" bringen wollte.

Seyer, Kirchstraße 15: Traditioneller Name: Küppershegge, 1872 durch Heirat an Seyer. 1975 wurde die Landwirtschaft aufgegeben. Als um 1800 der Dampfmaschinenbauer Franz Dinnendahl im Dorf wohnte (Alte Hauptstraße 76), nahm er sich eine Tochter Küppershegge zur Frau.

Lelgemann "in der Lelge" (einst Holteyer Berg): 1970 abgerissen. Als 1778 ein Beisken aus Niederwenigern eine Schäfersworring aus Altendorf heiratete und das Haus im Flurstück "in der Lelge" baute, wurde er der Mann "in der Lelge" = Lelgemann. Zahlreiche Nachkommen haben für eine starke Verbreitung des Namens geführt.

Höhmann, Schwarzensteinweg: Heute Wohnhaus, wurde es 1834 von der Familie Mintrop errichtet für einen Sohn, der mit landwirtschaftlichem Bedarf handelte und eine Gastwirtshaft führte. Später kaufte ein Sohn des Bauern Bungert das Haus, der eine Tochter des Bauern Schlüter geheiratet hatte. Diese Tochter erbte die Ländereien Schlüter, und so war der Wirt auch Landwirt. 1919 kaufte der Landwirt Höhmann aus Stoppenberg den Hof, der ihn bis 1967 bewirtschaftete.

Lelgemann, Am Vattersberg 21: Erbaut vor 1827 von einem Bergmann Kern, danach im Besitz einer Familie Vatter. Sie verhalf der Straße zu ihrem Namen. Seit 1897 wohnt hier ein Zweig der Familie Lelgemann. Zuletzt wurden hier Gänse für den Weihnachtsbraten gezüchtet.

Diekmann, Haverkamp 7: Ebenfalls schon im 13. Jh. erwähnt, waren die Diekmanns schon 1838 hier nicht mehr ansässig. Ein Steiger Vondram wohnte hier. Auch heute dient es nur Wohnzwecken.

Elvenholl, Im Brauke: Der Hof trug den gleichen Namen wie der kleine Bach, der hier im Brauke noch fließt. Das Foto ist von 1953; 1960 wurde das Haus abgerissen.