Furten, Fähren, Brücken

Burgaltendorf liegt auf der Ruhrhalbinsel. Das bedeutet, dass man von drei Seiten (Osten, Norden und Westen) vom Wasser der Ruhr umgeben ist – wenn uns auch im Westen Überruhr noch von der Ruhr trennt.
Im Süden liegt hinter Niederwenigern der Bahrenberg (Barrenberg – Barriere?), den man auf dem Weg nach Hattingen überwinden musste. Die heutige Straße von Niederwenigern nach Hattingen ist erst um 1900 entstanden.
Um diese Halbinsel zu verlassen, musste man also die Ruhr überqueren. Brücken gab es vom Mittelalter bis in die Neuzeit hier keine. Die nächsten waren in Hattingen und in Werden.

Furten

So suchte man sich bei uns seichte Stellen im Fluss aus, an denen man ihn zu Fuß oder zu Pferde passieren konnte.
Für unser Dorf waren bedeutsam
- die "Kölner Furt" am Fuße des Isenberges. Hier verlief der "Kleine Hellweg" (hilinciweg). Dieser kam von Köln und stieß in Bochum auf den "großen Hellweg".
Eine weitere Furt war nahe der heutigen Schwimmbrücke nach Dahlhausen, zum anderen nahe der Holteyer Brücke, um nach Horst und weiter nach Steele und Essen zu gelangen.

Fähren

An den beiden letzten Stellen hat man dann im Verlaufe des Mittelalters einen Fährbetrieb eingerichtet.
An der Furt nach Linden-Dahlhausen gab es die eine Fähre. Sie wurde über Generationen von einer Familie Fischer betrieben und deshalb die "Fischersche Fähre" genannt. Ca. 50 m von der heutigen Brücke flussaufwärts ist diesseitig noch die Pflasterung erkennbar, auf der das Fährboot landete. Der Fährmann zog die Fähre an einem von Ufer zu Ufer gespannten Seil über den Fluss. Der schmale Fußweg, der jenseits der Schwimmbrücke Dahlhausen nach Linden hochführt, trägt noch heute die Bezeichnung "Fährweg".
Zwischen unserem Dorf und Horst gab es lange eine Fähre, die im 18. und 19. Jh. von einer Familie Haakmann betrieben wurde, die sie vom Eigentümer des Hauses Horst gepachtet hatte.

Brücken

Die "römische" Brücke

Die erste Brücke, die unser Dorf mit einem Ort jenseits des Flusses verband, wurde 1863 eingeweiht. Sie führte zum Bahnhof Dahlhausen, der in diesem Jahr entstanden war durch eine Gleisverbindung von Steele aus.
Die Zechen Altendorf Tiefbau und Gelria (auch: Kandanghauer, später von Altendorf Tiefbau übernommen) hatten sie gebaut, um das fortschrittliche Transportmittel Eisenbahn für die Abfuhr ihrer Kohlen nutzen zu können.
Das heutige Vereinsheim der Rudergesellschaft Linden-Dahlhausen wurde auf den Resten dieser Brücke errichtet.
Die Brücke, von den Altendorfern die "römische" und den Dahlhausern die "alte" Brücke genannt, hatte zwei Gleise für einen Pferde-Eisenbahnbetrieb.
Der Bevölkerung war die Nutzung der Brücke untersagt.
16 Jahre später, 1879, wurde sie überflüssig. Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft hatte eine Strecke von Steele-Süd über die Ruhr (die dazu errichtete Brücke wurde 1945 gesprengt und nicht wieder hergerichtet) in unser Dorf gebaut mit einem Anschlussgleis zur Zeche Altendorf Tiefbau.

Fünf Jahre zuvor, 1874, hatte die Bergisch-Märkische Eisenbahn eine Strecke von Überruhr nach Altendorf und weiter nach Dahlhausen angelegt. Auch dazu wurde eine Brücke errichtet, die zunächst nur ein Gleis trug. In den 1920er Jahren wurde sie durch eine zweigleisige ersetzt, wobei die Gleise nun kreuzungsfrei in den dortigen Bahnhof eingeführt wurden.

Durch diese beiden Eisenbahnstrecken war die "römische" Brücke überflüssig. Die Zechen boten sie wiederholt den Gemeinden an – erfolglos. Es dauerte allerdings bis 1912, ehe sie abgerissen wurde.

Die "römische" Brücke

Die "Fünf-Pfennig-Brücken"

In den Jahren 1895 bis 1901 kam es im Bereich der Ruhrhalbinsel zum Bau von drei Brücken, die einiges miteinander verband.

1895 war es die Kampmanns-Brücke, die Kupferdreh mit Heisingen verband, es folgten im Frühjahr 1899 die Dahlhauser Brücke zwischen Dumberg und Dahlhausen und 1901 die Holteyer Brücke in der Holtey zwischen Altendorf-Ruhr und Horst.
Alle drei waren Schwimmbrücken, Brücken also, die auf Schwimmkörpern (Pontons) ruhten. Die Rampen von den Ufern zur Brücke waren also je nach Wasserstand der Ruhr mehr oder weniger steil.

Holteyer bzw. Horster Brücke

Dabei hatte die Holteyer Brücke eine Besonderheit: Sie ruhte nur auf der Altendorfer Seite auf Pontons; auf der Horster Ruhrseite war sie an starken Holzträgern befestigt, die in den Flussgrund gerammt waren. Da sich nur der Brückenteil auf der Altendorfer Seite dem Wasserpegel anpasste, war der Übergang vom flexiblen Teil zum starren auf der Horster Seite je nach Wasserstand mehr oder weniger steil.
Alle drei waren von Privatleuten errichtet worden. In Kupferdreh war es der Wirt Kampmann, in Dumberg der Wirt Eggemann und in Horst der Wirt Großjung.
Der Wirt Großjung hatte allerdings noch vier Kompagnons, darunter den Altendorfer Gutsherrn Schulte Holtey. Der sollte später alleiniger Besitzer werden.
Alle drei Brücken durften nur gegen Entgelt benutzt werden. Dabei wurde das Brückengeld vom Staat festgesetzt. Fußgänger hatten 5 Pfennige zu zahlen, was allen den Namen "Fünf-Pfennig-Brücke" verlieh. Radfahrer, Kutschen oder Kfz hatten mehr zu zahlen.

Alle drei Brücken hatten unter den starken Hochwassern zu leiden, die die Ruhr immer wieder heimsuchten und heimsuchen. Besonders schlimm war es im Mai 1943, als durch die Sprengung der Möhne-Talsperre am 18. Mai eine riesige Flutwelle durch das Ruhrtal schoss und die Schwimmbrücken mitriss.
Die Holteyer Brücke wurde ab 1952 für Kfz gesperrt, 1958 wurde sie abgerissen. 1982 wurde an ihrer Stelle eine 3 m breite Stahlbrücke für Rad- und Fußwanderer errichtet.

Alte Dahlhauser Brücke

Die Dahlhauser Brücke war für die Burgaltendorfer sehr bedeutungsvoll, um die Arbeitsplätze in Linden-Dahlhausen zu erreichen. Die bestehende Fähre erwies sich zu Ende des 19. Jh. als nicht ausreichend. Die Zechenbrücke Altendorf – Dahlhausen bestand zwar noch, aber die Gemeinden Dahlhausen, Dumberg und Altendorf konnten sich nicht zu einem Kauf entschließen; sie wurde 1912 abgerissen.
Die Eggemannsche Brücke erwies sich 1953 als zu schwach und musste für alle Fahrzeuge gesperrt werden. 1959 wurde sie durch die heutige einspurige Schwimmbrücke ersetzt. Ihr Problem war und ist die auf der Dahlhauser Seite verlaufende Eisenbahnstrecke, die die durch die Einspurigkeit bedingten Probleme noch verstärkt.
Seit September 2011 ist sie zwecks Reparatur gesperrt; der Linienbus 359 fährt seither nicht mehr über die Brücke nach Burgaltendorf, sondern endet vor der Brücke. Nach einem Fußweg über die Brücke müssen die Nutzer mit der neuen Linie 159 vom Dumberger Ufer zum Busbahnhof Burgaltendorf fahren.

Eisenbahnbrücke im Hintergrund: Steele-Süd - Altendorf-Ruhr im Juni 1944

Die alte Eisenbahnbrücke zwischen dem Bahnhof Altendorf-Ruhr und Dahlhausen, seit 1951 wieder mit einem Gleis hergerichtet, erhielt 1988 auf den Fundamenten des zweiten Gleises eine Stahlbrücke für Rad- und Fußwanderer. Das verbliebene Gleis wurde 1991 entfernt.