Medizinische Versorgung

Adolph von Essen

Um 1370 wurde den Herren von Aldendorpe auf unserer Burg ein Sohn geboren. Er wurde Mönch und gehörte zu einer Gruppe von Geistlichen, die das Rosenkranz-Gebet entwickelten.
Er war Prior des Klosters Karthaus nahe Trier und Beichtvater der Herzogin von Lothringen.
Bis an sein Lebensende 1439, es war die Zeit, als Europa von der Pest heimgesucht wurde, litt er unter einer Erinnerung aus seiner Kindheit. Dies gestand er einem Mitbruder, der sie aufschrieb.

Im Alter von etwa drei bis vier Jahren war Adolph so behindert, dass er nicht laufen konnte. Auf allen Vieren bewegte er sich am Boden fort.
Nachdem alle Versuche der Ärzte ohne Erfolg geblieben waren, suchte eine „weise“ Frau die Mutter auf. Nachdem sie den Kleinen betrachtet hatte, versprach sie der Mutter  Hilfe. Dazu müsse die Mutter ein Bad richten, aber auch die Gnade einer alten heidnischen Göttin anflehen, der „Verholen“.
Die Mutter tat wie ihr geheißen. Die Alte richtete ein Bad für den Knaben, in das sie allerlei Kräuter, Öle und Essenzen gab. Sie legte den Jungen hinein - und schon bald sprang er quicklebendig aus dem Bade heraus.
Aus Dankbarkeit verehrte die Mutter nun bis an ihr Lebensende die „Verholen“.

Eine Erklärung erfahren wir nicht. Es könnte die Verstopfung des Gehörganges Ursache gewesen sein, die durch das Bad gelöst wurde.

Quelle: Karl-Joseph Klinkhammer: Adolph von Essen und seine Werke, in Frankfurter Theologische Studien, Verlag Josef Knecht, Frankfurt/M., 1972.

Die "Rote Ruhr" im Jahr 1741 auf Worrings Hof

Auf dem Worrings-Hof, er lag an der heutigen Worringstraße, war 1741 die „rote Ruhr“ ausgebrochen und hatte die Eltern und ein Kind ergriffen.
Die Magd Gertrud Sonnenschein hat die Familie in dieser Situation gepflegt, das verstorbene Kind aber gebührlich bestattet.
Dafür erhielt sie von dem Hofbesitzer Johannes Schlüter genannt Groß-Worring ein Stück Land aus dem Waldstück des Bauern gerodet, dass sie, die mit ihrem Mann in einem Kotten lebte, bis an ihr Lebensende kostenlos genießen durfte.

Die „rote Ruhr“, eine Infektionskrankheit, grassierte damals seit Jahrzehnten in unserem Bereich.

(aus der Familienchronik der Familie Schlüter)

 

Die Erkrankung des Bergmanns Johann Faester im Jahre 1778

Vom 14. Januar 1799 ist die Bescheinigung des „J. F. Termeer, Chirurg. Approbatt. aus Steele“ über den Bergmann Johann Faester aus Altendorf (ein Sohn des Bauern Vaester). Sie weist aus

„daß der Bergmann Johann Faester in Altendorf im Jahre 1778 einen starken Bruch erhalten wo ich ihn in der Kur gehabt, daß aber der Schaden nicht allein gänzlich incurable (unheilbar), sondern auch deshalb zu jeder Berg Arbeit und selbst zum Haspel Ziehen unfähig sei; und auch zu Hause sich mit leichten Geschäften abgeben könne, wenn er nicht befürchten will, daß der Bruch ganz austrette, und er dadurch unglücklich werde, solches alles habe auf Verlangen geflichtmäßig attestiren nicht umhin können.“

Verordnung zur Rettung der ertrunkenen oder erstickten Bergleute

(Vom westfälischen Oberbergamt in Wetter im Jahre 1793, auszugsweise)

„Es ist nöthig gefunden, dafür zu sorgen, dass, wenn Bergleute bey der Arbeit ertrinken, oder durch böse Wetter erstickt werden, denselben schleunige Hülfe verschafft werde, um sie, wo möglich, ins Leben zurückzubringen. Da solches in den meisten Fällen gelingt, wenn nur die gehörigen Hülfsmittel zur rechen Zeit angewandt werden; so dient wegen des in solchen Fällen zu beobachtenden Verfahrens sämmtlichen Gruben-Bedienten und Bergleuten Folgendes zur genauesten durch das Allerhöchste Rescript d.d. Berlin den 20. März a.d. genehmigten Vorschrift:

Ereignet sich der Fall, dass ein Bergmann in der Grube ertrinkt, oder von bösen Wettern erstickt wird; so sind alle Bergleute und alle Grubenbediente schuldig, die möglichste Mühe anzuwenden, den Verunglückten aus dem Wasser zu ziehen, oder von der gefährlichen Stelle zu Tage zu bringen.
Imgleichen sind sie schuldig, ungesäumt den zunächst wohnenden Knappschafts-Chirurgus, und wenn es nur immer möglich ist, auch den Berg-Medicus herbey rufen zu lassen.
Ehe derselbe hinzukommen, und die weitere Behandlung des Verunglückten anweisen kann, ist ohne Zeit zu verlieren, Folgendes zu beobachten:…“

Die erste Hebamme in Altendorf

(Zeitungs-Anzeige vom August 1874)

Bekanntmachung

Für die Gemeinde Altendorf soll eine eigene Bezirks-Hebamme angestellt werden und die Wahl derselben durch die weibliche Gemeinde bald erfolgen.
Die zu wählende Person darf nicht unter 20 und nicht über 35 Jahre alt sein; sie muß einen gesunden, rüstigen Körper, gesunde Sinne und gerade, zum Hebammengeschäft taugliche Gliedmaßen, insbesondere eine feine wohlgebildete Hand besitzen; sie muß ferner einen gesunden natürlichen Verstand und ein gutes Gedächtniß zeigen, fertig lesen und Gelesenes verstehen und leserlich schreiben können, sie muß einen rechtlichen, unbescholtenen Lebenswandel geführt haben, auch nachweisen, dass sie entweder die natürlichen Pocken überstanden oder dass die Schutzpocken-Impfung (Revaccination) innerhalb der letzten 2 Jahre wirksam an ihr vollzogen worden ist.
Qualificierte Bewerberinnen um diese Hebammenstelle haben sich binnen 8 Tagen schriftlich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse bei mir zu melden.

Hattingen, den 4. August 1874

        Der Amtmann: Schumacher

Die Stelle wurde der Christine Oligmüller verliehen, der Urgroßmutter von Hilde Reene geb. Bielefeld. Sie baute mit ihrem Mann das Haus im Haverkamp.

Die Apotheken

Die Adler-Apotheke

Die erste Apotheke der gesamten Ruhrhalbinsel wurde im Jahre 1860 im damaligen Altendorf-Ruhr eröffnet. Standort war die Straße, die später Laurastraße genannt wurde.
Sie hatte den Namen „Adler-Apotheke“ und bestand so bis 2008.

Dem ersten Apotheker namens Palizäus folgten bis 1910 mehrere nach. Dann übernahm sie Friedrich Mühlhan, dem nach dem 2. Weltkrieg sein Sohn Kurt folgte. Unter Kurt Mühlhan wurde nicht nur die Apotheke erfolgreich geführt, er war auch erfolgreich als Veranstalter von Hausmusik-Konzerten, als Botaniker und als Segler.

Von Kurt Mühlhan ging nach seinem altersbedingtem Ausscheiden 1993 an einen Nahme, den Schwager seiner Tochter. Er führte die Apotheke bis 2006.

Dessen Nachfolger namens Dyker gab die Apotheke im März 2008 auf. Sie wurde geschlossen.

Die Laura-Apotheke

Im Oktober 2011 wurde nach Eigentümerwechsel und Umbau eine neue Apotheke hier eröffnet, die sich nun „Laura-Apotheke“ nennt.

Die Burg-Apotheke

1972 entstand im Unterdorf im Hause Alte Hauptstraße 14 aus der Drogerie Beisken die „Burg-Apotheke“. Bis 1997 wurde sie vom Apotheker Mattern geführt, dann ging sie an Birgit Jansen über. Im Juli 2011 zog die „Burg-Apotheke“ in das neue Ärztehaus in der Alten Hauptstraße 28 um.

Die Merkur-Apotheke

1981 entstand im damals neuen Worringcenter (Alte Hauptstraße 104 a) die „Merkur-Apotheke“. Sie wurde vom Apotheker Dieter Ostwaldt betrieben. Im Jahre 2006 folgte ihm Frau Jansen, die Besitzerin der „Burg-Apotheke“ im Unterdorf.