Zeche Charlotte

Die Zeche lag im Nordwesten Burgaltendorfs, an der Grenze zu Überruhr. Daher wird sie in einigen Veröffentlichungen irrtümlicherweise auch dem Stadtteil Überruhr zugerechnet.

Im Jahre 1790 wurde die Gewerkschaft Charlotte gegründet.
1791 wurde ihr ein Längenfeld Charlotte verliehen. Die Bergbehörde drängte auf Vereinigung (Konsolidation) mit den anderen Gewerkschaften, die im Flöz Wilhelmine abbauten.
Im selben Jahr wurde ein 367 Lachter (rund 740 m) langer Schiebeweg zu einem Kohlenmagazin an der Ruhr angelegt. Es bleibt offen, ob der am Holteyer Hafen oder an einer anderen Stelle am Ruhrufer war.

1792 hatte die Zeche auf Betreiben des Freiherrn vom Stein eine Wasserhaltungs-Dampfmaschine in Tarnowitz in Schlesien bestellt. Der Transport verunglückte jedoch auf der Oder. Wegen dadurch zu erwartender Mehrkosten lehnte die Gewerkschaft Charlotte die Annahme dann ab.
Die Maschine hatte dann eine lange Odyssee, bis sie 1801 auf der Zeche Vollmond in Bochum-Werne landete. Dort brachte sie dann nicht der überforderte Maschinenmeister, sondern der zufällig anwesende Schreinergeselle Franz Dinnendahl zum Laufen. Er wohnte damals noch in Altendorf, im heutigen Hause Alte Hauptstraße 76. Der Zusammenbau der Maschine war der Beginn seiner Karriere als Maschinenbauer.

Vereinigte Charlotte

1832 konsolidierte die Zeche Charlotte mit anderen, die in der Nähe abbauten. Zweck war der Übergang zum Tiefbau. Der Name lautete nun „ver. Charlotte“.
Es wurde mit dem Abteufen eines Versuchsschachtes begonnen. Dieser Schacht wurde dann Charlotte genannt und bis 1876 auf eine 5. Sohle in 292 m niedergebracht.
1835 wurde ein Geviertfeld „Beilehn Vincke“ verliehen. Ob dies als Beleg für eine Beteiligung des westfälischen Oberpräsidenten Vincke gesehen werden kann? Einer örtlichen Überlieferung nach soll derselbe wiederholt die Ruhrhalbinsel besucht haben.
1837 war eine Förder- und Wasserhaltungsdampfmaschine vorhanden.
1842 wurde ein Wetterschacht südöstlich des Schachtes Charlotte geteuft. Er bekam 1887 einen Wetterturm mit drehbarer Haube.

Eisenbahn-Anschlüsse

1847 wurde gemeinsam mit der benachbarten Überruhrer Zeche Mönckhoffsbank eine Pferdeeisenbahn zur Prinz-Wilhelm-Eisenbahn angelegt, die ihre Strecke bis zur „Drehscheibe“ verlängert hatte. Den Transport auf dieser Bahn übernahm der Altendorfer Unternehmer Sternenberg.
Bessere Absatzmöglichkeiten ergaben sich, als 1875 die Bergisch-Märkische Eisenbahn von ihrer Strecke Vohwinkel – Steele in Überruhr einen Abzweig über Altendorf nach Dahlhausen gebaut hatte. Charlotte erhielt ein Anschlussgleis an diese Bahn.
1879 hatte die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft die Strecke Steele Rheinisch (Steele Süd) - Altendorf eröffnet. Zwischen der Ruhrbrücke und dem Bahnhof Altendorf baute man ein Anschlussgleis zur Zeche Charlotte; es endete mit einer Bruchsteinmauer vor den Gleisen der Bergisch-Märkischen Bahn. Mittels Seilbahn konnten die Wagen beladen werden.

Maximale Förderung:
1896 = 109.923 t    450 B.

Die Felder

Heinrich förderte ab 1851 seine im östlichen Feld abgebaute Kohle durch den Schacht Charlotte. 1868 wurde das Feld „Heinrich östliches Feld“ angepachtet. 1869 wurde das Horster Feld „Robert“ geteilt in „Geviertfeld Charlotte“ und „Robert“. Das Feld Robert verblieb bei der gleichnamigen Horster Zeche. 1875 wurden wieder Feldesteile von Heinrich angepachtet. 1892 wurde der südliche Teil von „Mecklingsbank ins Westen“ erworben, 1897 wurde das gesamte Feld angepachtet. Ab 1906 Abbau im Feld Flora. 1910 wurde „Heinrich östliches Feld“ zurückgegeben.
1908 hatte Johann Deimelsberg in Steele ver. Charlotte erworben, es gab aber getrennten Betrieb.
1910 wurden die Anlagen von ver. Charlotte stillgelegt wegen veralteter Anlagen und Unwirtschaftlichkeit. Das Grubenfeld ging zu Johann Deimelsberg.

Brikettfabrik

1909 hatte Johann Deimelsberg bei Charlotte eine Brikettfabrik errichtet. Ganze drei Tage soll sie gearbeitet haben, bevor auch sie 1910 von der Stilllegung der Gesamtanlage betroffen war.

Charlotte Bergbaugesellschaft

1915 pachtete die „Charlotte Bergbaugesellschaft“ die Berechtsame von Charlotte. Eigentümer war der Landwirt Schulte-Holtey. Zu den angepachteten Feldern gehörten: ver. Charlotte, Steingatt, Altendorf Tiefbau, ver. Himmelsfürster Erbstollen, Kuckuck und Übereinkunft.
Es gibt ein Foto der Tagesanlagen in dem Buch „125 Jahre Gewerkschaft Heinrich“ von 1935. Daraus und aus dem unter dem Folgeabschnitt Gesagten ergibt sich, dass der Schacht Charlotte nicht nur eingeschränkt genutzt wurde.
In einer Chronik der Familie Schulte-Holtey heißt es über die Zeche:

"Die Zeche Charlotte baut in der Mager-, Ess- und Fettkohlenpartie in den Flözen: Finefrau, Nebenbank, Vincke, Geitling, Kreftenscher II. und I., Mausegatt.
Die Tagesanlagen sind für eine Förderung von 300 t täglich ausgelegt worden. Die Stromversorgung geschieht durch die Bergische Elektrizitäts-Versorgungsgesellschaft Elberfeld. Der Kohlenvorrat beträgt rund 4 Millionen to, Belegschaftstand 290 Mann. Bahnanschluß zum Bahnhof Altendorf."


Tatsächlich hat die Zeche trotz Nutzung der veralteten Anlagen von ver. Charlotte die Förderung bis 1926 von anfangs 17.000 t auf 62.000 t steigern können; die Beschäftigtenzahl stieg von 57 auf 249. Das war in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Segen für den Stadtteil.
1927 wurde die Zeche stillgelegt und 1929 durch die Gewerkschaft Heinrich in Überruhr erworben.

Um 1930

Ver. Charlotte-Steingatt-Prinz Wilhelm

Unter diesem Namen betrieb die Gewerkschaft Heinrich ab 1929 Bergbau in den Feldern, die zu diesen drei Zechen gehört hatten. Daneben waren es die Geviertfelder Flora und Heimannsfeld und mehrere Längenfelder. Als Tagesanlagen dienten zunächst die Anlagen der Charlotte Bergbaugesellschaft. Der alte Förderschacht Charlotte wurde gesümpft (ausgepumpt), der Förderstollen aufgewältigt.
1934 war der Schacht Charlotte wieder bis zur 5. Sohle in 420 m Tiefe aufgewältigt. In diesem Jahr begann man mit dem Abteufen eines neuen Schachtes südlich von Charlotte, er erhielt den Namen Theodor. Es wurden neue Tagesanlagen modernster Art errichtet mit großem Verwaltungsgebäude, neuen Kauen, großer Aufbereitungsanlage, Verladung und einer Brikettfabrik.

1935 erhielt das neue Bergwerk den Namen „Theodor“ nach dem Vorsitzenden des Grubenvorstandes Dr. Theodor Mauritzen.

Zeche Theodor

Die 1809 in Überruhr gegründete Zeche „Gewerkschaft Heinrich“ hat 1929 unter anderem die Felder und Anlagen der Zechen „Steingatt – Prinz-Wilhelm“ und „ver. Charlotte“ gekauft.
Für den Abbau in diesen Feldern richtete sie am Standort der früheren Zeche „Charlotte“ ein neues Bergwerk ein. Es erhielt den Namen „Theodor“ nach dem Grubenvorstandsmitglied Dr. Theodor Mauritz.
In der Folge wurden die alten Tagesanlagen abgerissen und durch moderne Einrichtungen ersetzt. Die Gebäude hatten die gleiche kubische Bauweise wie die der zur gleichen Zeit entstehenden Anlagen der Zeche Zollverein Schacht 12 (heute Weltkulturerbe).
Ein neuer Schacht „Theodor“ wurde abgeteuft. Er sollte einmal mit 1060 m der tiefste aller Schächte an der Ruhr sein.
Man machte sich dabei die Geländeverhältnisse zunutze, indem man auf ein Fördergerüst verzichtet. Das Maschinenhaus (heute Weinkauf) an der Charlottenstraße stand direkt auf dem Schacht, da die Kohle nicht bis zur Höhe gefördert wurde sondern nur bis zu einer tiefer gelegenen Fördersohle. Von hier wurde die Kohle durch einen Förderstollen zutage gebracht, um in Wäsche und Sieberei behandelt zu werden. Der Förderstollen war auf dem Niveau, auf dem auch Verwaltungsgebäude mit Steigerstuben, Lohnhalle, Wäsche, Brikettfabrik etc. und die Werkstätten lagen.
Der alte Schacht Charlotte wurde als Wetterschacht weiterhin genutzt.
Auf einer noch tieferen Ebene lagen die Gleise des Zechenbahnhofs. So konnten die Kohlen  und Briketts vom höheren Niveau einfach in die unten stehenden  Waggons verladen werden und zum Bahnhof Bochum-Dahlhausen gefahren werden.
Das Bergematerial wurde nach der Separation durch einen Stollen zu einem Berge-Schacht südlich des Steinbruchs Christinenruh gefahren. Von dort wurde es durch den Bergeschacht auf die Höhe gefördert, von wo die Berge über Förderbänder in den Steinbruch gekippt wurden. Nach Schließung der Zeche wurde die Halde begrünt.

Fördermaschinist

Umkleide und Waschkaue waren im Verwaltungsgebäude, in dem auch die Zechenleitung und die Steiger ihre Büros hatten.
Wer einfahren musste, ging durch den Keller des Gebäudes in den alten Stollen von Charlotte, um zum Förderschacht zu gelangen und die Fahrt in die Tiefe anzutreten.
Die Felder, in denen Kohle abgebaut wurde, reichten bis nach Eiberg, Bochum-Dahlhausen, Byfang und Kupferdreh.
Es kamen noch zwei weitere Schächte hinzu: 1944 wurde der Schacht „Theodor 2“ abgeteuft. Er lag zwischen dem alten Schacht Charlotte und Theodor 1. Ein weiterer Schacht wurde als Wetterschacht im Holthauser Tal abgeteuft. Er dient noch heute der Wasserhaltung.
Die Zeche hatte eigene Gleisanlagen neben den Streckengleisen der Strecke Überruhr – Altendorf-Ruhr; sie besaß auch eigene Lokomotiven.
Die Bahn richtete nach dem 2. Weltkrieg einen Haltepunkt für die Bergleute bei der Zeche ein. Allerdings wurde die Strecke 1959 stillgelegt.
Danach, bis zu Stilllegung der Zeche im Jahre 1968, wurden die Waggons von Bochum-Dahlhausen aus zugestellt und abgeholt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde auch „Landabsatz“ eingeführt. Das war der Abtransport der Kohlen mit Lkw. Eine Anlage dafür wurde an Fuße der Bergehalde errichtet.
1964 verlor die Zeche ihre Eigenständigkeit und wurde mit der Heinrich Bergbau AG vereinigt.
Die Beschäftigtenzahl lag zuletzt bei 1581.
Die Fördermenge der Heinrich Bergbau AG erreichte zum Ende fast 1.000.000 Jahrestonnen. Somit war der Wunsch der Direktion bei der Gründung von Theodor, aus der Reihe der sogenannten „Ruhrquetschen“ emporzusteigen, erreicht.
Im Maschinenhaus des Schachtes Theodor ist heute eine Weinhandlung, im Maschinenhaus des Schachtes Theodor 2 sind schöne Wohnungen eingerichtet.
Die übrigen Tagesanlagen von Theodor wurden 2007 abgerissen; 2010 wurde das Gelände angeschrägt und begrünt.